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15. Dezember 2009

Nachlass der sächsischen Literatin Esther von Kirchbach jetzt im Landeskirchenarchiv

Bestand ermöglicht unmittelbaren Einblick in den Gedankenaustausch zwischen den Protagonisten der Bekennenden Kirche in Sachsen

Bild: Briefmarke der Deutschen Post mit einem gezeichneten Porträt von Esther von Kirchbach

DRESDEN - Den Nachlass Esther von Kirchbachs, der einzigen Frau der sächsischen Landeskirche, die auf einer Briefmarke abgebildet ist, konnte das Landeskirchenarchiv der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens in Dresden von ihrem Sohn Dr. Eckart von Kirchbach aus Göppingen übernehmen.
„Trotz ihres hohen Bekanntheitsgrades bleibt die Person Esther von Kirchbach erst noch zu erforschen“, sagt Kirchenarchivrätin Dr. Carlies Maria Raddatz-Breidbach.
Dies ermögliche der jetzt als Depositum der Familie von Kirchbach übernommene Bestand, der Briefe und Schriften der Jahre 1921 bis 1946 im Umfang von 2 lfm umfasse. „Die Landeskirche zeigt sich erfreut und gegenüber der Familie dankbar, über diesen für die sächsische Kirchen- und Landesgeschichte wichtigen Nachlass verfügen zu können“, so die Kirchenarchivrätin.

Bild: Übergabe des Depositums im Landeskirchenarchiv
Dr. Raddatz-Breidbach (l.) nimmt Nachlass von Dr. Eckart von Kirchbach entgegen

Zum Bestand gehören u.a. Autographen Werner Bergengruens. Seine Benutzung wird im Einvernehmen mit der Familie von Kirchbach nach der Verzeichnung durch das Landeskirchenarchiv möglich sein, die allerdings erst in geraumer Zeit abgeschlossen sein kann. Besondere Bedeutung kommt dem Nachlass Esther von Kirchbach auch angesichts der schweren Kriegsverluste des Dresdner Landeskirchenarchivs zu. Er ermöglicht erstmals den unmittelbaren Einblick in den Gedankenaustausch zwischen den Protagonisten der Bekennenden Kirche in Sachsen während der Nazi-Herrschaft.

Esther v. Kirchbach, verw. Gräfin zu Münster-Langelage, wurde am 26. Mai 1894 als ältestes Kind des späteren sächsischen Kriegsministers General Adolf v. Carlowitz geboren. Die junge Kriegerwitwe und Mutter brach ihr Lehramtstudium 1921 für die Ehe mit dem ebenfalls verwitweten Theologiestudenten und früheren Offizier Arndt v. Kirchbach (1885-1963) ab, um ihn umfassend unterstützen zu können. Obwohl sie acht Kinder zu versorgen hatte, reichte ihr Engagement über die Wahrnehmung der Pfarrfrauenrolle weit hinaus. Eigenständig übernahm sie in der kirchlichen Jugendarbeit die Mädchenarbeit.

Bild: (Bild: Blick vom Untermarkt in Freiberg zum Dom St. Marien. Neue sächsische Kirchengalerie)
Am Untermarkt 1 in unmittelbarer Nähe zum Freiberger Dom lebte und wirkte Esther v. Kirchbach

In Arndt v. Kirchbachs Jahren als Pfarrer in Dresden (1924-1937) brachte sie sich intensiv in die Arbeit der Dresdner Eheberatungsstelle ein. Große Strahlkraft entfaltete Esther von Kirchbach als geistliche Schriftstellerin. Ihre Bücher und Zeitschriftenartikel richteten sich besonders an Frauen. Über den Mitarbeiterkreis der Zeitschrift „Eckart“ stand sie in enger Verbindung u.a. mit Werner Bergengruen, Otto v. Taube und Jochen Klepper. Gemeinsam mit ihrem Mann engagierte sie sich in der Bekennenden Kirche.

Die politisch motivierte Amtsenthebung Arndt von Kirchbachs als Superintendent von Freiberg 1937/38 und seine kriegsbedingte Abwesenheit von Freiberg bedeuteten eine große Belastung für Esther von Kirchbach, ließen sie aber in ihrem Wirken nicht ermüden. 1945 nahm sie sich des Flüchtlingsproblems an. Als erste Frau überhaupt wurde sie 1945 in die damalige Kirchenleitung der sächsischen Landeskirche berufen. 1946 verstarb Esther von Kirchbach. Ihr Gedenken ist namentlich in der Kirchlichen Frauenarbeit bis heute lebendig. Die Deutsche Post widmete ihr 2002 eine Briefmarke.

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