3. September 2009
Begegnungstag für Aussiedler in Sachsen
Es soll auch ein Begegnungstag für Aussiedler und Einheimische werden

BORNA - Der Begegnungstag für Aussiedler findet am 12. September in Borna statt und steht unter dem Motto „Heimat in Bewegung“. Damit wird bewusst das Motto der Region aufgegriffen, da auch hier Erfahrungen von Menschen vorliegen, die im Landkreis durch den Braunkohleabbau ihre Heimatorte verloren haben. Es soll daher zugleich ein besonderer Begegnungstag für Aussiedler und Einheimische werden. Mit Ausnahme des Flutjahres 2002 hatte der Begegnungstag seit 1996 bisher jährlich an verschiedenen stattgefunden.

Zum umfangreichen Veranstaltungsprogramm an verschiedenen Orten in Borna werden 1.500 Teilnehmer in Gruppen oder einzeln aus Sachsen erwartet. Um 10:00 Uhr werden die Angereisten am Begegnungstag vor der Stadtkirche St. Marien mit einer Morgenandacht begrüßt. Dazu wird der Beauftragte des Rates der EKD für Spätaussiedler und Heimatvertriebene, Kirchenpräsident i.R. Helge Klassohn, erwartet. Danach folgt ein Erwachsenenprogramm zum Thema „Heimat in Bewegung“. Um die Stadtkirche und die Emmauskirche werden sich dann auf dem Martin-Luther-Platz Aussiedlervereine und kirchliche Werke präsentieren.
Auch in diesem Jahr wird wieder ein Gesprächsforum stattfinden, wo sich Vertreter des Bundesministeriums des Innern, des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales, der Landesarbeitsagentur und des Amtes für Aussiedler- und Staatsangehörigkeitswesen im Leipziger Land den Anliegen und Fragen der Neuhinzugezogenen stellen werden. Das Forum findet um 11:00 Uhr im Bürgerhaus „Goldener Stern“ am Markt/Ecke Kirchstraße statt. Im Café „Offenkundig“ wird es zusätzliche Beratungsangebote für Aussiedler geben.
Ab 10:00 Uhr findet in der Dinterschule ein unterhaltsames Jugendprogramm mit Band-Musik, Workshops, Talk, Tanz und Sport statt. Auch eine Tagebau-Exkursion mit einem Bus wird angeboten. Wenn bei der Jugend ab 15:00 Uhr die Abschlussveranstaltung mit Siegerehrung, Bühnenshow und letztlich dem Reisesegen endet, findet in der Stadtkirche der zweisprachige Abschlussgottesdienst statt, wo Landesbischof Jochen Bohl predigen wird.

Gesprächsrunde (v.l.n.r.) Romuald Hermann und Olga Kolesnikow (Spätaussiedler, Borna), Ökumene-Beauftragter, Pfr. Friedemann Oehme und Superintendent Matthias Weismann (Borna)
Der Aussiedlertag sei als Vorhaben „im Umfeld bei Landkreis und Kommune positiv aufgenommen worden“, sagte Superintendent Matthias Weismann (Borna) im Vorfeld. Er freue sich auf diese „mittelgroße Veranstaltung“ in Borna gerade deshalb, weil Menschen ins Gespräch kommen können, die ihre Heimat aufgeben mussten. Die Emmauskirche, die aufwendig von Heuersdorf nach Borna transportiert wurde dokumentiere „was in dieser Region südlich von Leipzig passiert ist“, so Weismann. „Das Land ist umgepflügt worden“ und im Laufe der Zeit mussten 23.000 Menschen ihre Heimatorte wegen des Braunkohleabbaus verlassen, und mit ihnen seien 18 Kirchen verschwunden.

Der von der sächsischen Landeskirche initiierte Aussiedlertag ist das größte Treffen und die einzige landesweite Veranstaltung speziell für diese Personengruppe.
Im letzten Jahr kamen über 230 Spätaussiedler und ihre Familienangehörigen nach Sachsen. Darunter waren in letzter Zeit 50 Prozent jünger als 30 Jahre. Die Situation bei der Eingliederung ist nicht nur wegen sprachlicher Hürden schwieriger geworden.
Wenn im ersten halben Jahr dieses Jahres nur 74 Spätaussiedler über das Zugangsverfahren in Sachsen aufgenommen wurden, ist die Aufnahme im Vergleich von vor sieben Jahren (6.000 im Jahr) auch gerade dadurch fast zum Erliegen gekommen.
Nach den positiven Erfahrungen zurückliegender Begegnungstage, zuletzt in Kamenz im letzten Jahr, hat sich die sächsische Landeskirche erneut mit dieser Einladung an die Kirchgemeinden gewandt, damit sie auf die Aussiedler zugehen und mit ihnen zum Begegnungstag kommen. Ziel dieser Veranstaltung ist es auch, die Zugezogenen zu ermutigen sowie eine breite Öffentlichkeit in Kirche und Gesellschaft über die aktuellen Aufgaben der Eingliederung in Sachsen zu informieren.


